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Pefferspray, der ADAC und die Feuerwehr

Aus der Pressekonferenz des Verkehrsministeriums: „Fahrkurse beim ADAC geben ein falsches Gefühl der Sicherheit. Im Ernstfall überschätzen sich Autofahrer und verunglücken. Fahrtrainings sind nur was für Profis, nicht für den normalen Autofahrer.“

 

Der Sprecher der gesetzlichen Krankenkasse warnt vor Sport in der Freizeit. „Die Verletzungsrisiken sind erheblich. Möglicherweise haben Sie überhaupt kein Fitnessproblem, sondern ein Kreislaufproblem das Ihr Hausarzt völlig gefahrlos mit Medikamenten behandeln kann.“

 

Berufsfeuerwehr mahnt zur Vorsicht. Feuerlöscher im Haushalt oder im Auto richten im Zweifelsfall mehr Schaden an als sie nützen. Ungeübte können Menschen in ihrer Umgebung Schaden zufügen . Die Feuerwehr rät: Gehen Sie im Brandfall auf Abstand, strecken Sie abwehrend die rechte Hand aus und rufen Sie laut und deutlich „Stopp! Ich will das nicht!“ rufen Sie dann die Berufsfeuerwehr und warten Sie ruhig ab.

 

Das wären schon seltsame Meldungen. Zum Glück sind sie frei erfunden. Komischerweise sind diese Aussagen aber 1:1 auf das Thema Selbstverteidigung übertragbar.

Zum Beispiel der Polizeisprecher von Fulda der annimmt, dass ein Angreifer immer das mildeste Mittel anwendet um sich dann hochzuarbeiten. Sprich: Zückt das Opfer ein Messer, hat er ein größeres, hat ein Opfer eine Schreckschusspistole zieht der Angreifer eine Glock. Besser ist seiner Meinung nach, sich gar nicht erst in Gefahr zu begeben. Die Schuld wird also umgedreht, im englischsprachigen Raum victim shaming genannt. Das Opfer ist also selbst schuld, weil es nachts draußen war, alleine war oder einen kurzen Rock an hatte.

 

Die Polizei Köln warnt ebenfalls davor Pfefferspray oder Schreckschusswaffen einzusetzen.

„Diese Gegenstände können dem Nutzer in einer Gefahrensituation entrissen und dann gegen ihn eingesetzt werden“, http://www.faz.net/aktuell/gesellschaft/kleiner-waffenschein-gefaehrliche-aufruestung-14504153.html)

Der Bürger soll also davon ausgehen, dass der Durchschnittskriminelle entweder viel besser bewaffnet ist als er oder ein Nahkampfexperte ist. Warum sieht sich Polizei und Politik hier nicht in der Plicht den Bürgern Kurse anzubieten in denen sie Selbstverteidigung erlernen können? Wenn die Polizei doch davon ausgeht, das Täter grundsätzlich besser bewaffnet sind, warum behebt der Gesetzgeber diesen Umstand nicht? Davon auszugehen, dass Kriminelle ihren Opfern überlegen sind, die Opfer aber gesetzlich daran zu hindern, sich adäquat zu schützen ist an Zynismus kaum zu überbieten.

Na ja…doch, nämlich durch den Rat, im Zweifel lieber den Tod oder schwere Verletzungen in Kauf zu nehmen als sich zu wehren.

Die Polizei in Berlin rät dazu, sich nicht körperlich zu wehren, wenn man einen Horror-Clown trifft. Die Lage könne zu schnell eskalieren.

Quelle: SHZ

Ebenfalls bemerkenswert in der ganzen Berichterstattung und Debatte ist, dass Selbstverteidigung, also der Schutz des eigenen Lebens, gerne mit Selbstjustiz gleichgesetzt wird. Das ist kein Versehen vermeintlich „dummer“ Journalisten. Es geht darum den Bürger einzuschüchtern

 „Dich wehren? Das darfst Du doch gar nicht! Das ist Selbstjustiz!“

 

In dem Zusammenhang wird auch immer gebetsmühlenartig vom Gewaltmonopol des Staates geredet. Das bedeutet aber, dass nur der Staat zur Durchsetzung seiner Interessen Gewalt anwenden darf. Ich darf also nicht meinem Nachbarn Gewalt antun, weil er mir 5 Euro schuldet. Das Recht auf körperliche Unversehrtheit darf ich aber sehr wohl durch Gewalt bewahren. Übrigens auch, wenn ein Angriff auf andere Rechtsgüter wie Ehre, Eigentum oder Freiheit erfolgt.

 

Aber, es gibt einen Silberstreif am Horizont. Einen Hoffnungsschimmer darauf, offen und ehrlich über das Thema zu reden. Weder wollen die Besitzer eines kleinen Waffenscheines ballernd und schreiend Jagd auf Kriminelle machen, noch ist eine Waffe eine Garantie, heil aus einer Sache heraus zu kommen. Was Pfefferspray und Co. angeht, sind die Aussagen der Polizei neuerdings etwas anders als die zuvor zitierten.

Selbstverteidigung: In Selbstverteidigungskursen können Mädchen und Frauen lernen, rechtzeitig Grenzen zu setzen sowie Strategien für Ausweichmöglichkeiten oder eine Gegenwehr zu entwickeln. Die Polizei und Landessportverbände können bei der Suche nach seriösen Kursangeboten helfen.

Vorsicht bei Tränengas & Co.: Frauen sollten sich rechtzeitig im Umgang mit einer Verteidigungswaffe vertraut machen, um diese im Notfall sicher nutzen zu können. Die Polizei mahnt beim Einsatz von Reizgasen zur Vorsicht: Bei Schreckschusswaffen mit Tränengaspatronen oder in Taschenlampen eingebaute Sprühgeräte sei die Reizgasmenge oft nicht ausreichend. Außerdem kann sich, je nach Windverhältnissen, der Reizgasnebel gegen das Opfer statt gegen den Täter richten.

Quelle: Augsburger Allgemeine

 

Leider noch kein Thema in der Diskussion sind „richtige“ Waffenscheine. Seit den Waffengesetzverschärfungen von 2003 und 2009 ist es nahezu unmöglich einen Waffenschein zu bekommen. Davor hatte der Gesetzgeber anerkannt, dass bestimmte Berufsgruppen nun mal stärker von Gewaltverbrechen betroffen sind als andere, wie zum Beispiel Juweliere, Rechtsanwälte, Taxifahrer oder  Waffenhändler. Selbst Richter, Staatsanwälte oder Polizisten gelten nicht mehr per se als zuverlässig und vertrauenswürdig genug eine Waffe führen zu dürfen. Bei Polizisten natürlich um so absurder, da der Polizist in Uniform dem Gesetzgeber als vollkommen vertrauenswürdig erscheint und eine Waffe führt, sich aber nach Feierabend offensichtlich in einen völlig anderen Menschen verwandelt, der mit einer Waffe eine Gefahr für die öffentliche Sicherheit wäre.

„Wenn dadurch nur ein Leben gerettet wird.“ Gilt leider nur für solche Opfer die in die Agenda passen.

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4 Comments on “Pefferspray, der ADAC und die Feuerwehr

  1. Pingback: Pefferspray, der ADAC und die Feuerwehr – Zylinderbohrung | Waffen – Waffenbesitzer – Waffenrecht

  2. Ich glaube, dass ein eingeschuechterter, nicht wehrhafter Steuerzahler leichter zu leiten ist als ein selbstbewusster, verteidigungfaehiger Staatsbuerger.
    Ich glaube, dass die politische Klasse das auch glaubt.
    Ich glaube, dass die oeffentliche Propaganda und die veroeffentlichten Vorschriften und Gesetze diesem Glauben dienen.

  3. Die Terroranschläge und Amoktaten in Paris, Nizza, München, Würzburg, aber auch sonst wo noch in der Welt überschlagen sich in den zurückliegenden Wochen und Monaten.
    Viele Menschen fragen sich, ob wir nirgendwo mehr vor solchen Gewalttaten sicher sind. Leider gibt es nur die bittere Wahrheit, dass wir wirklich nirgendwo mehr sicher sind, aber DAS waren wir eigentlich auch noch nie, denn man kann eigentlich überall auf der Welt und zu jeder Zeit Opfer eines Gewaltverbrechens werden, genauso, wie man zu jeder Zeit und überall auf der Welt einen Unfall erleiden kann. 100 % Sicherheit in allen Lebenslagen und unter allen Lebensumständen gibt es nicht, auch wenn wir uns alle nach solch einer Sicherheit „sehnen“!
    Die Menschen in Israel leben unter einer ständigen Terrorbedrohung. Kein Politiker in Israel würde auch nur ansatzweise auf den verrückten Gedanken kommen, die eigenen Bürger für Terrortaten haftbar zu machen und das Waffenrecht für loyale, staatstragende Bürger vollkommen irrational zu verschärfen. Israel ist ein demokratischer und wehrhafter Staat, der seinen loyalen Bürgern vertraut und ihnen eine Bewaffnung zum Eigenschutz zubilligt! Die Bundesrepublik Deutschland, wie auch die Europäische Union sollten sich diesbezüglich ein Beispiel an Israel nehmen!
    Wer jedoch unter dem Eindruck der zurückliegenden Amok- und Terrortaten in Europa jetzt nach schärferen Waffengesetzen „ruft“, betreibt übelste Anlassgesetzgebung und übelsten Populismus in Reinkultur! Gerade wir hier in Deutschland haben schon äußerst scharfe waffenrechtliche Bestimmungen, die jedoch offensichtlich keinerlei Verbrechen mit Waffen und Sprengstoffen aller Art verhindern konnten. DAS sollte man zur Kenntnis nehmen, da Verbrecher nicht bei der „Waffenbehörde“ erst einen Antrag auf Erteilung einer Waffenbesitzkarte stellen, um sich ihre Tatmittel dann einfach im nächsten Fachgeschäft kaufen zu können. Selbst die schärfsten Gesetze können Verbrechen, die mit krimineller Energie geplant und ausgeführt werden, nicht verhindern!!!
    Wer mit Waffen oder gefährlichen Gegenständen Körperverletzung oder Straftaten gegen das Leben begeht, wird schon seit ewigen Zeiten nach den Bestimmungen des Strafgesetzbuches hinreichend „sanktioniert“ – im Rahmen der Konsumption fallen allerdings die Verstöße gegen das Waffenrecht jedoch regelmäßig „einfach als Mengenrabatt“ bei der Strafzumessung „unter den Tisch“!
    Das Waffenrecht ist eigentlich ein reines Ordnungsrecht und soll einen geregelten und sicheren Umgang mit Waffen gewährleisten.
    Es ist geradezu widersinnig, staatstragende, loyale, nicht sicherheitssignifikante und regelmäßig „sicherheitsüberprüfte“ Bürger, die legal Waffen besitzen, für die Taten von Verbrechern letztendlich „haftbar zu machen“.
    Bei all der häufig auch ideologisch motivierten „Regelungswut“, die an den Tag gelegt wird, wenn es um Waffen geht, sollte man durchaus auch daran denken, ob all DAS wirklich erforderlich, geeignet und angemessen ist, um Waffenkriminalität und Terrorismus zu bekämpfen! Oder ist das „ganze Getue“ ums Waffenrecht Ausdruck der Ratlosigkeit von „Sicherheitspolitikern“ – also einfach nur hilfloser Aktionismus nach dem Motto „OPERATIVE HEKTIK bei GEISTIGER WINDSTILLE“? Placebo-Politik zur Nervenberuhigung von ratlosen/vielleicht auch überforderten („Sicherheits“-)Politikern und schlecht informierten Wahlbürgern ist aber für eine Freiheitlich Demokratische Grundordnung und für unsere offene, tolerante Gesellschaft unwürdig!
    Als warnendes Beispiel für die Auswirkungen von ausufernder „Sicherheitspolitik“ und „staatlicher Überwachung“ sollte man sich vielleicht mal den Sience Fiktion-Film „DEMOLITION MAN“ (https://de.wikipedia.org/wiki/Demolition_Man ) anschauen. Recht anschaulich sind aber auch die Filme “Fahrenheit 451“ (https://de.wikipedia.org/wiki/Fahrenheit_451_(Film) ) oder „SOYLENT GREEN“ (https://de.wikipedia.org/wiki/%E2%80%A6_Jahr_2022_%E2%80%A6_die_%C3%BCberleben_wollen ), die dem Betrachter als Fiktion sehr deutlich aufzeigen, wohin Staaten mit überbordender Überwachung „abdriften“ könnten!!!
    Man sollte sich mal vor Augen führen, dass die Teilnahme am Straßenverkehr – egal ob als Fußgänger, Radfahrer, PKW- oder LKW-Fahrer, -Beifahrer und -Mitfahrer ungleich größere Risiken beinhaltet als von einem Massenmörder, Terroristen oder auch nur Bankräuber erschossen zu werden. Im Jahre 2015 gab es im deutschen Straßenverkehr etwa 3500 Tote, 360.000 Verletzte und 2,3 Millionen Unfälle, im aktuellen Jahr 2016 wird es sicherlich nicht wesentlich anders sein. Wegen diesem wirklichen Massenmord, verteilt auf 365 Tage – pro Tag rund 10 Tote, 1000 Verletzte, 6.400 Unfälle – gibt es keine Gesetzesverschärfungsinitiative irgendeiner politischen Partei oder Bürgerinitiative, weder in Deutschland noch von den Kommissaren der EU. NICHTS!!!!!!!!!!
    Legale scharfe Schusswaffen, „Luftdruck-/Druckluft-, CO2- und Softairgewehre/-pistolen“, Gas- und Signalpistolen, Vorderladerwaffen mit Lunten-, Steinschloss- oder Perkussionszündung, etc. sind sicherlich nicht die Sicherheitsbedrohung für Deutschland oder Europa.
    Selbst Kolonialmächte haben früher ihren Kolonialvölkern sogar noch den Besitz von Vorderladerwaffen gestattet!!!!!
    Die EU-Kommission, das EU-Parlament und der Deutsche Bundestag sollten bei all der „staatlichen Regelungswut“ vielleicht mal zur Kenntnis nehmen, dass weder der „EU-, noch der Bundesbürger“ unmündiges Kolonialvolk und die EU-Kommission, das EU-Parlament und der Bundestag keine Kolonialmacht/-verwaltung sind!

  4. Am 28. Mai 2016 kaufte ich im lokalen Zeitschriftenhandel die VISIER-Ausgabe 6/2016. Auf der Seite 96 „stolperte“ ich über den Artikel „Polizei Wuppertal rät vom Kleinen Waffenschein ab“.
    In der TACTICAL GEAR – Ausgabe 4/2015 wurde im EDITORIAL ebenfalls auf die oben dargestellte „Verwaltungspraxis“ einer Polizeibehörde Bezug genommen, die die gleiche Aussage „zum kleinen Waffenschein und zu Selbstschutzmaßnahmen“ darstellt.
    Der „Hinweis“ der Wuppertaler Behörde „Ich möchte Sie bitten, unter Berücksichtigung meiner Hinweise, Ihren Antrag nochmals zu überdenken. Sofern ich keine weitere Nachricht von Ihnen erhalte, gehe ich davon aus dass Sie auf Erteilung eines Kleinen Waffenscheins verzichten und werde von einer weiteren Bearbeitung Ihres Antrages absehen.“ ist an sich schon eine bodenlose Unverschämtheit und Respektlosigkeit gegenüber dem mündigen Bürger, der gesetzeskonform einen zulässigen Antrag gestellt hat. WAS maßt sich da eine Behörde an, in einer solch kaltschnäuzigen Art und Weise auf Bürger einzuwirken?!!!!!
    Reagieren unsere Ämter nun auch bei Antragstellungen im Bereich des Asylrechts bzw. im Bereich der Sozialhilfe/HARTZ4, bei Bauanträgen, Schankgenehmigungen, Gewerbeanmeldungen, etc. in gleicher Art und Weise? Nun, der Sturm der Entrüstung in der Bevölkerung wäre sicherlich und zu recht „unüberhörbar“!!!!
    Dem einzelnen Beamten mache ich keinerlei Vorwurf, dass er die Weisungen seiner Vorgesetzten ausführt, weil er als Beamter dienstrechtlich an diese Weisungen gebunden ist, aber den Vorgesetzten, die sich hier im Rahmen vorauseilenden Gehorsams als „vorsichtige Unterlasser und Bundesbedenkenträger profilieren wollen“, mache ich sehr wohl einen Vorwurf, weil sie sich anscheinend nicht mehr an ihren Diensteid gebunden fühlen und gegen das legale Schutzbedürfnis des Bürgers handelnd, politischer Ideologie hinterherjagen. Oder erleben wir mit dem „Wuppertaler Aktionismus“ die Wiedergeburt des preußischen Landrechts – des geistigen wie juristischen Absolutismus des preußischen Obrigkeitsstaates???!!!!!
    Wer lesen kann, ist ungemein im Vorteil. Das Grundgesetz und das Strafgesetzbuch, wie auch die Strafprozessordnung sollten einem „Polizeiführer“ durchaus geläufig sein.
    Das Grundgesetz gibt den allgemeinen Rahmen für die schutzwürdigen Güter, zu denen insbesondere Leib, Leben, Freiheit, Eigentum und Ehre gehören. Das Strafgesetzbuch wiederum ergibt die Grenzen, in denen notfalls straflos gegen Leib und Leben eines Rechtsbrechers vorgegangen werden darf. Notwehr ist die Verteidigung, die erforderlich ist, um einen gegenwärtigen, rechtswidrigen Angriff von sich oder einem anderen abzuwenden (vgl. § 32 Abs. 2 StGB)!
    DAS war jedoch „in Deutschland“ (Preußen) nicht immer so! Zur „Rechtsgeschichte“ möchte ich daher aus WIKIPEDIA zitieren (vgl. https://de.wikipedia.org/wiki/Notwehr_%28Deutschland%29 ) zitieren:
    Das Notwehrrecht leitet sich von alters her ab aus dem römischen Rechtsgrundsatz Vim vi repellere licet (lat., dt. Gewalt darf mit Gewalt erwidert werden). Im modernen Sprachgebrauch wird oft die Grundsatzformel „Das Recht braucht dem Unrecht nicht zu weichen“ (auch Rechtsbewährungsprinzip genannt) gebraucht. Damit soll einerseits das Notwehrrecht überhaupt begründet werden. Es ist aber auch bereits ein erster Grundsatz festgehalten: Es ist einem Angegriffenen grundsätzlich gestattet, sich mit Gewalt zu wehren, auch wenn ihm eine Flucht als „mildestes Mittel“ der „Notwehr“ möglich wäre; er kann sich also wehren und braucht nicht zu weichen.
    Ein Blick in die Historie zeigt, dass das Recht auf Notwehr nicht zu jeder Zeit selbstverständlich war. Einer der einschneidendsten, am intensivsten untersuchten und dokumentierten Fälle von Notwehr mit tödlichem Ausgang für den Angreifer ereignete sich 1805 im damaligen Schlesien: Ein einschlägig bekannter und dem Strafvollzug zuvor entflohener Räuber namens Exner starb beim versuchten Einbruch in eine einsam gelegene Mühle durch einen Messerstich des anwesenden Müllers. Das preußische Landrecht enthielt infolge des geistigen wie juristischen Absolutismus des preußischen Obrigkeitsstaates keine klaren Festlegungen über das Recht auf Notwehr. Im Deutschland jener Zeit war die Anerkennung der Notwehr in den meisten Fällen ganz in das Ermessen der verhandelnden Richter oder in die Gnade der jeweiligen Landesherren gelegt. Daher musste in einem langwierigen Prozess geklärt werden, inwieweit in diesem besonderen Einzelfall das Recht auf Notwehr angewandt werden konnte. Der nachfolgende Prozess um den Tod des Räubers Exner führte nach längerer Dauer unter dem Druck der Öffentlichkeit und der äußeren Verhältnisse (vor allem der Französischen Revolution) eine intensive, kontrovers geführte Diskussion unter den führenden Rechtsgelehrten der Zeit herbei, die schließlich in die noch heute gültige Formulierung der Notwehr im deutschen Recht mündete. Dieser Fall war so bedeutend und hatte schon seinerzeit so weitreichende Konsequenzen, dass er bereits in den „Neuen Pitaval“ Aufnahme fand. Die Befürworter eines verbrieften Rechtes auf Notwehr verwiesen auf die Abwesenheit der Obrigkeit in Notwehrfällen und postulierten die noch heute gültigen bürgerlichen Rechte und Regularien. Die Gegner betonten die Möglichkeit des Missbrauchs und die Verletzung des staatlichen Gewaltmonopols. Die Diskussion darüber dauerte bis in die jüngste Zeit an. Die Definition des Notwehrexzesses und dessen zeitweilige Strafbewehrung sind Beleg dafür.
    Im Zusammenhang mit dem „Notwehrrecht“ möchte ich auch darauf hinweisen, dass es den § 127 Abs. 1 StPO gibt: „§ 127 Vorläufige Festnahme (1) Wird jemand auf frischer Tat betroffen oder verfolgt, so ist, wenn er der Flucht verdächtig ist oder seine Identität nicht sofort festgestellt werden kann, jedermann befugt, ihn auch ohne richterliche Anordnung vorläufig festzunehmen. Die Feststellung der Identität einer Person durch die Staatsanwaltschaft oder die Beamten des Polizeidienstes bestimmt sich nach § 163b Abs. 1.“
    Nebenbei bemerkt, habe ich diese Rechtsnorm schon in den 70er Jahren im Sozialkundeunterricht der Karl-Broermann-Realschule in Oberhausen vermittelt bekommen und im Laufe meines Lebens habe ich mehr „Vorläufige Festnahmen“ außer Dienst als im Dienst ausgesprochen und durchgesetzt, allerdings gehört dazu auch ein „gerütteltes Maß an Mut, Mündigkeit und Zivilcourage“, die man dem Bundesbürger im Laufe der zurückliegenden Jahrzehnte anscheinend immer mehr „aberzogen“ hat.
    Zu dem Thema „Wuppertaler Polizei rät vom Kleinen Waffenschein ab“ passt aber auch eine Zeitungsmeldung aus der „BILD AM SONNTAG“ vom 29. Mai 2016, die da lautete: „Und die Düsseldorfer Polizei rät: Tragen Sie draußen keinen Schmuck“.
    Ich überlasse es dem geneigten Leser, eigene Schlüsse aus den beiden dargestellten Presseveröffentlichungen zu ziehen.
    Zu den angesprochenen Presseveröffentlichungen passt aber auch ein Artikel aus der Schweizer Zeitung „DIE WELTWOCHE“, der sich mit den „Silvestervorkommnissen von Köln“ beschäftigt und unter dem Titel „Abwesenheit von Mut“ erschien (siehe hierzu auch: http://www.weltwoche.ch/ausgaben/2016-8/artikel/abwesenheit-von-mut-die-weltwoche-ausgabe-82016.html ), wobei mit diesem Zeitungsartikel keineswegs Ressentiments gegen ausländische Mitbürger oder Migranten gefördert werden sollte.
    Unlängst erschien ein Auszug aus dem neuen Buch des Bundesvorsitzenden der DEUTSCHEN POLIZEIGEWERKSCHAFT in der HUFFINGTON POST (http://www.huffingtonpost.de/rainer-wendt/deutschland-silvester-fluchtlinge_b_11586438.html ) unter dem Titel „Lieber Rechtsstaat, mit dir bin ich fertig, du kannst mich mal“, der sehr eindrucksvoll das Gefühlsleben eines Opfers und die Reaktionen aus Politik, Gesellschaft und Massenmedien auf die „Silvestervorkommnisse“ darstellt.
    Mein Vater war mehrere Jahrzehnte Polizeibeamter in Oberhausen, ein Mann mit beispielhafter Integrität, der mir in Haltung und Pflichterfüllung immer ein leuchtendes Beispiel gab! Er hat mir schon als kleinem Buben einen sehr richtigen und wichtigen Rat mit auf meinen Lebensweg mitgegeben, als er mir sagte, dass es besser sei, von Zwölfen gerichtet als von Sechsen getragen zu werden!
    Ich habe 15 Jahre als Soldat gedient, bin Schießlehrer für Infanteriewaffen, habe 12 aktive Jahre im Zollfahndungsdienst „verbracht“, meinen Lehrgang „Eigensicherung und Bewaffnung im Fahndungsdienst“ absolviert, bin ausgebildeter Sprengstoffermittler (mit den Fachlehrgängen D1 und D2 beim BKA) und auch heute noch als Ermittlungsbeamter in einem Bundesressort eingesetzt; vor über 40 Jahren habe ich geschworen, der Bundesrepublik Deutschland treu zu dienen und das Recht und die Freiheit des deutschen Volkes tapfer zu verteidigen – ich fühle mich auch heute noch diesem Diensteid verpflichtet. Mit der „Verwaltungspraxis“ einiger Polizeibehörden, die dem Bürger davon abraten, sich vor Straftätern zu schützen und im Extremfall von ihrem Notwehr bzw. Nothilferecht Gebrauch zu machen, kann ich mich nicht identifizieren, weil ich „neudeutsch ausgedrückt“ mein Leben lang nach dem Motto „WE SERVE and PROTECT“ erzogen und ausgebildet worden bin und gelebt habe!

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